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aktualisiert am 10.05.2013
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Tourbericht Sommertour 2008

Revolte Springen – auf der Schnellstraße zur Hölle

TAG 1. – 10.Juli 2008 – los gehts!

Sommer, Sonne, Sommertour – von wegen. Als wir uns nachmittags mit Sack, Pack und Instrumenten treffen, um das erste Mal das Auto für die bevorstehende Tour zu packen, ist es kalt und grau.

Auch wenn wir diesmal nur zu sechst sind, sammelt sich ein unglaublicher Haufen Rucksäcke, Taschen, Requisiten und Instrumente vor dem Auto... Aber Hannahs Bus ist groß genug und irgendwann sitzen wir im Auto und tuckern durch den Berliner Nachmittagsverkehr Richtung plattes Land – genauer gesagt: Richtung Templin und Karlshof. Dort werden wir ein paar Tage proben und das Musikprogramm, was wir durch ne Menge Proben in Berlin größtenteils schon gut vorbereitet haben, verfeinern, ausfeilen und tourfähig verpacken.

Unser Bus am Karlshof

Der Karlshof empfängt uns mit viiieeel Platz, einer Scheune in der wir so laut proben können wie wir wollen und vielen lieben, zum Teil altbekannten Menschen. Als wir abends mit warmen Pullovern im Kerzenlicht zusammen sitzen, macht sich kurz eine fast schon feierliche Stimmung breit: Da sind wir nun also... Vor uns liegen 2 ½ Wochen Tour und wir sind voll mit Vorfreude auf Musik machen, zusammen rumhängen und unterwegs sein.

TAG 2 bis 5 – 11. bis 14. Juli 2008 – Revolte auf dem Karlshof

Die Zeit auf dem Karlshof ist gefüllt mit proben, vorbereiten, am Lagerfeuer sitzen, essen (Salat aus eigenem Anbau – mjammjam!), Kaffee trinken, diskutieren, Faxen machen... Wir schaffen es, eine gute Mischung aus Probenzeit und Entspannungspausen hinzubekommen und sind ziemlich produktiv. Lieder wie "Los Paul" und "Der Traum vom freien Menschen" bekommen den letzten Schliff, "Schnellstraße zur Hölle" (ein 1A-AC/DC-cover), "Dieter ist ein Bankkaufmann" (auf "sheena is a punkrocker" von den Ramones) und "The future is unwritten" werden (zumindest in dieser Besetzung) neu erarbeitet.

Am 12. Juli spielen wir das erste Konzert der Tour für die Karlshofer_innen und deren Gäste, die an diesem Abend den Abschluss ihres Sommertreffens feiern. Das Set steht, wir haben viel Spaß bei unserer Feuertaufe und merken, an welchen Stellen wir noch arbeiten müssen. Sogar ein paar Jugendliche aus der Gegend schauen mal rein, sehen zwar eher etwas dubios aus, aber mindestens einer verabschiedet sich freundlich und persönlich.

Der Abend klingt am Lagerfeuer aus, wo es wie so oft noch einen Musiknachschlag mit Gitarre oder Ukulele gibt und die eine oder der andere ungeahnte Schätze und Albernheiten aus den Tiefen des RAK-Liedergutes zum besten gibt.

Beisammensitzen im Karlshof
TAG 6. – 15.07.2008 – Greifswald, IKUWO

Nachdem wir am Vorabend für die Menschen auf dem Karlshof ein fulminantes Dankeschön-Abendessen gekocht haben, proben wir morgens ein letzes Mal in der Scheune. Dann heißt es aufräumen und alle Sachen, die wir im Laufe der letzten Tage auf dem gesamten Gelände verstreut haben, wiederzufinden und einzusammeln.

Oli findet im Schuppen noch ein paar rostige alte Dinge, denen er erstaunliche Töne und Rhythmen entlocken kann – klar müssen die mit! Auch die ca. 30.000 Aufnäher (mindestens), die Magz im aufwendigen Siebdruckverfahren selbst gedruckt hatte und die wir in den letzten Tagen tapfer auseinander geschnitten hatten, müssen ja noch irgendwie mit.

Gegen Mittag sitzen wir und all unser Zeug im Bus und fahren los Richtung Greifswald. Dort angekommen werden wir herzlich begrüßt und bekommen ein super Abendessen: Knödel, Rotkohl und vegane Schnitzel! Leider bleibt keine Zeit für ein Verdauungsschläfchen, denn wir müssen aufbauen.

Die Zeit rennt und plötzlich ist es schon Zeit zum einsingen... Wir singen uns nämlich immer ein... weil die ollen Schrottstimmen sonst nicht gegen den gemeinen Punkrock aus'm Publikum anstinken können... Wir spielen nämlich stets akustisch, ohne Mikros.

Das Konzert ist klein aber fein, und wir haben Spaß mit all dem, was wir uns in den letzten Tagen ausgedacht haben. Das Publikum scheint sehr angetan.

TAG 7. – 16.07.2008 – Lübeck, Wagenburg Walli

Wir können ausschlafen und in Ruhe mit ein paar Leuten aus dem IKUWO frühstücken. Als wir einpacken wollen, fängt es an zu schütten und wir stehen vor der Wahl, entweder im strömenden Regen das Auto zu beladen oder unseren Zeitplan umzuwerfen. Wir entscheiden uns, zu warten bis der Regen aufhört, was zum Teil Unmut auslöst – als wir schließlich im Auto sitzen ist die Stimmung etwas "grrrr" (hauptsächlich bei dem Herrn Ukulelenspieler) und lockert sich nur langsam auf dem Weg nach Lübeck.

Die Walli ist ein ziemlich großer, grüner Wagenplatz mitten in Lübeck auf der Wallhalbinsel, also mit viel Wasser (aber auch viel Beton!) drum herum. Dort setzen wir uns erstmal mit Kaffee hin und machen ein "Blitzlicht": Das bedeutet, daß jede_r die Gelegenheit hat, sich zum eigenen Befinden und zu dem, was nervt, stört oder auch toll ist, zu äußern. Auf diese Art gibt es beispielsweise immer ein Wissen um entstehende Konflikte, aber auch um Befindlichkeiten, auf die dann sensibler reagiert werden kann. Oberste Regel dabei: Niemandem wird reingequatscht, wenn er oder sie erzählt. So kriegen wir es immer wieder hin, zusammenzukommen und eine Art internen Austausch stattfinden zu lassen, der für unsere Gruppendynamik mittlerweile unverzichtbar geworden ist.

Oli auf der Lübecker Bühne

Mit besserer Stimmung und aufgewärmtem Abendessen im Bauch bauen wir optimistisch draußen auf und trotzen mutig den dicken grauen Wolken über Lübeck. Unsere Bühne ist zwar überdacht, aber trotzdem isses kalt und windig – es werden Feuertonnen rangeschleppt und wir hoffen auf regendichtes Publikum... Das kommt dann auch – zwar nicht so zahlreich wie erhofft, aber feierfreudig.

Nach dem Konzert gibt's viel Bier und Gespräche, und auch einstürzende Tische und Bänke können der kleinen Party nichts anhaben. Ein Polizeihubschrauber fliegt direkt über unseren Köpfen in ein Manöverflugzeug der Bundeswehr. Wir nehmen das zur Kenntnis, applaudieren kurz und widmen uns wieder den wichtigeren Sachen des Lebens, bis wir schlafen gehen im Bandschlafraum, der in Sachen Punkrockfaktor seinem Namen alle Ehre macht.

TAG 8 – 17.07.2008 – Beidenfleth, Wagenburg Doewerdiek und AJZ Neumünster

Von Lübeck geht's nach Itzehoe, wo wir mit Yoks Mutter Kuchen und Erdbeeren essen und dann weiter nach Beidenfleth fahren. Dort werden wir sehr herzlich – und auch wieder mit leckerem Kuchen! – empfangen und fühlen uns trotz eher miesem Wetter schnell wohl auf der 4-Wagen-Wagenburg (also ist es eher ein Wagenbürgchen?). Und tatsächlich finden auch einige den Weg aufs Land, und wir spielen vor ca. 40 Leuten genau in einer Regenpause.

Leider müssen wir relativ fix weiter, weil wir abends noch in Neumünster spielen – war schon ein bisschen komisch, "bloß für einen Auftritt mal schnell ausm Auto zu springen" und viele von uns hätten gerne noch mehr Zeit für Leute, im Garten sitzen und noch mehr Kuchen gehabt.

Aber Neumünster wird auch schön: Wir treffen Teds'n'Grog, die vor uns spielen, das AJZ ist voll und gut gelaunt, wenn auch zum Teil ein wenig redebedürftig. (Wenn im Publikum geredet wird, bekommt man auf der Bühne oft nicht mit, obs aus Langeweile oder Desinteresse oder eben wegen Begeisterung und Freude ist. Kann irritierend sein...)

Ein schönes Erlebnis war das Straßenkonzert der Gruppe "Schall und Rauch", die sich gegenüber vom AJZ ihren Eintritt erspielten und mit sehr schicken Covern von Quetschenpaua und Früchte des Zorns die Straße rockten.

Obwohl der Tag lang, voll und anstrengend war, sitzen wir noch bis spät in die Nacht in unserer Unterkunft und machen Faxen – ein schöner Tagesausklang mit einem guten Gruppengefühl.

TAG 9 – 18.07.2008 – Hamburg, Rote Flora
Magz, Mogli und Oli

Da es von Neumünster nach Hamburg ja nicht weit ist, können wir ausschlafen und gaaaanz in Ruhe frühstücken und sind trotzdem noch sehr rechtzeitig in Hamburg.

Dort treffen wir Koerk, der uns während der Tour einige Tage lang mit einer Kamera begleiten wird – wir sind sehr gespannt auf das Ergebnis! Mal sehen, ob es eher eine Dokumentation über Straßenmusik in geschlossenen Räumen oder ein Roadmovie mit musikalischer Untermalung oder eine Anleitung zum Überholmanöver auf der Schnellstraße zu Hölle oder... wird.

Für viele ist der Auftritt abends ein Anlass, Freund_innen und Verwandte zu treffen und so fühlt es sich (nach einem fulminanten Mahl!) ein bisschen an wie ein Heimspiel. Mit viel Power und guter Laune macht der Abend allen viel Spaß. Trotzdem zerstreut sich die Gruppe, weil einige bei Freund_innen schlafen, die Cocktailparty antesten oder Hamburger Nächte genießen wollen...

TAG 10 – 19.07.2008 – Bremen, Stadtkommune Alla Hopp

Für einige beginnt der Tag mit "Seemannsfrühstück", für andere mit orangem Lidschatten – trotzdem treffen wir uns mittags alle (na ja fast alle...) zum Einladen an der Flora wieder.

Und obwohl Bremen so eine kleine Stadt ist (...sagen die Berliner_innen...) kann man sich dort ausgezeichnet verfahren. Wir lernen Stadt und Leute kennen, sehen manche spannende Ecke und finden schließlich doch die Stadtkommune Alla Hopp.

Leider macht uns auch heute der Regen mal wieder einen dicken, bzw. nassen Strich durch die Rechnung mit dem draußen spielen... Sommer fühlt sich anders an!

Die Entscheidung wird bei Linsensuppe, Wraps und FrüchteSchokoSpießen (mjammjam!) zwar noch einige Male bedauert, aber draußen isses wirklich etwas nass... wir kommen quasi nur mit den schnell organisierten Schlauchbooten über den Hof zur Bühne, die sich "drinnen" befindet. Das "drinnen" ist in diesem Fall aber auch sehr schön: Wir bauen unser Geraffel im Wintergarten auf, der mit Sofas und Matratzen abends dann doch ca. 80 Leute Platz bietet – es ist knalleng, nahezu tropisches Klima, aber extrem nett.

Zum Schlafen haben wir alle Einzelzimmer in der ehemaligen Bonbonfabrik, was nach soviel Aufeinander­hängen für viele ein willkommener Luxus ist – wir mögen uns zwar gerne, aber es kann auch schön sein, sich mal nicht sehen zu müssen.

TAG 11 – 20.07.2008 – Laer/Münster, Hof-Projekt Laerifari

Weiter geht's aufs Land zu einem sonntäglichen 15Uhr-Konzert. Früh spielen und lange fahren heißt leider in diesem Falle auch früh aufstehen – aber wir schaffen es tatsächlich fast, um 10h im gepackten Auto zu sitzen. (Naja, bis wirklich alle wieder im Alla Hopp eintrudeln ist es mal wieder reichlich was später...)

In Laer macht ein Blick auf den Plan des öffentlichen Nahverkehrs aber klar, das 15 Uhr Sonntags eine gute Zeit ist, wenn man von dort auch wieder irgendwo anders hinfahren möchte.

Beim Mittagessen lernen wir die Bewohner_innen, die Katzen, Hunde und Schafe des Hofprojekts kennen und beziehen danach unser Quartier. Da wir 2 Nächte auf dem Hof bleiben werden, lohnt sich das auspacken mal richtig.

Zum Konzert kommen ca. 50 Leute (unter anderem auch hier wieder Eltern von Teilen der Gruppe), die tanzen und mitsingen und uns laut eigenen Angaben unsere Erschöpfung nach 7 Auftritten an 6 Tagen nicht anmerken. Einige Punx trudeln spät zu den letzten beiden Stücken ein... etwas verpeilt, aber dennoch froh, dass sie überhaupt noch was gesehen haben.

Still und müde sitzen wir später am Feuer... im Regen und im Rauch... wie sinnlos. Die letzten Tage waren zwar oft schön und spannend, aber ständig unterwegs sein und jeden Abend anderthalb Stunden Vollgas geben zehrt bei den meisten doch ganz schön an den Energievorräten... Magz hat schon ganz ausgelapperte Lippen vom vielen Trompete spielen, und Mogli hat vom Gitarrespielen zentimeterdicke Hornhaut auf den Fingerkuppen der linken Hand. Der Notarzt meinte aber, sie kommen beide durch.

Wie gut, jetzt ein bisschen Pause zu haben – wir nutzen sie produktiv, um abends zusammen "Kungfu Panda" zu gucken bzw. dabei einzuschlafen...

TAG 12 – 21.07.2008 – Offday in Laer

Bis auf Oli und Susi, die Ausflüge zu Bekannten und Verwandten machen (wenn man schon mal in der Ecke ist, wo man aufgewachsen ist...) verbringen die anderen den Tag mit ausschlafen, Wäsche waschen, lesen, wieder schlafen, Mails angucken, Kaffee trinken, Musik hören, Youtube-Videos gucken... volleyballen...

Leider ist es arschkalt und regnet in Strömen, weswegen wir uns als Abendgestaltung zu Pizza essen und Kino entschließen.

Mit Popcorn und sehr unterschiedlichen Einstellungen zum Film gucken wir einem Superhelden dabei zu, wie er sein ramponiertes Image wieder aufpoliert... What a nice way to spend a rainy day!

TAG 13 – 22.07.2008 – Detmold, Alte Pauline

Wir nutzen die Zeit am Vormittag, um mal wieder ein ausführliches Blitzlicht zu machen und brausen dann mit dem Hannahmobil nach Detmold.

Dort angekommen, stehen wir erst ein wenig planlos herum, weil um uns herum ein DIY-Sommerfest aufgebaut wird und wir nicht so recht wissen, wohin mit uns. Ein Ausflug in die nahegelegene Pommesbude stimmt bei einigen Mägen und Gemüter froh, Kuchen und Kaffee erfreut die anderen.

Als Specialguest besucht uns Balou a.k.a. DestroyRoy, ein Mitrevoltierender und guter Freund, der extra aus Köln angereist kommt! Wir planen ihn natürlich – schwupps – direkt ins Programm mit ein. (Das hat er sich wohl so gedacht, dass er uns ungesungen davon kommt...) So singt Balou an diesem Abend den "Traum vom freien Menschen" und es beschert nicht nur einigen Leuten aus dem Publikum eine Gänsehaut.

Wieder einmal breiten wir uns mit all unserem Klump auf der Bühne aus und rocken das mittlerweile ziemlich volle Haus.

Nach dem Konzert gibt's noch viele Gespräche mit Menschen aus dem Publikum und so wird es recht spät, bis wir zu unserem Quartier (15 km außerhalb) aufbrechen.

TAG 14 – 23.07.2008 – Offday in Detmold

Wieder ein Offday! Wir verbringen ihn bei Freunden von Mogli, die uns herzlich und völlig selbstverständlich ihre Betten überlassen und uns quasi direkt in ihre Familie aufnehmen. Supernett!

Oli und Hund

Leider sorgt gruppeninterner Stress dafür, dass die Stimmung zum Teil nicht so gut ist und der Tag immer wieder von Unzufriedenheit und schwierigen Situationen durchzogen ist.

Doch abgesehen davon verbringen wir einen schönen Tag mit unseren Gastgeber_innen: Ausschlafen, im Garten sitzen (ja, es ist tatsächlich gutes Wetter!), ein Ausflug zu den Externsteinen mit Heidelbeeren sammeln, abends zusammen kochen, Lagerfeuer und Stockbrot...

TAG 15 – 24.07.2008 – Hannover, Sprengel

Nach einem langen und schwierigen Blitzlicht packen wir zusammen und fahren mit einem Umweg über einen Baggersee nach Hannover. Vorher sammelt Susi sich noch ein paar Zecken vom Körper (faustgroße Viecher, die sie erst gar nicht bemerkt hatte, hingen ihr an Armen und Beinen...)

Am Baggersee bekommen wir Besuch von einem Ordnungsamtklotzkopf, der uns darauf hinweist, was wir dort alles nicht dürfen und wenn das alle tun würden... – woraufhin er sich einer diskussionsfreudigen 9köpfigen Meute gegenübersieht, die alle ziemlich gute Vorschläge und Argumente haben. Letztendlich einigt man sich auf einen Kompromiss und wir können die restliche Zeit ungestört genießen. Wir hoffen, dass ihn später Leute gefunden und ihm die Fesseln gelöst haben, mit denen wir ihn um den Baum gebunden hatten.

Da der Himmel sich auch in Hannover weiterhin mit Blau und Sonne schmückt, können wir abends wie geplant draußen vor der Sprengel spielen. Hier haben wir das einzige Mal auf der Tour tatsächlich ein wenig Straßenmusikgefühl, denn Passanten bleiben stehen, die Nachbarn gucken aus dem Fenster, und wir spielen so nicht nur für das "Szenepublikum". Ein großartiges Konzert bei bestem Wetter und entspannter Stimmung. Fast umsonst und draußen, das gefällt den Leuten und uns auch, zumal sich hinterher im Hut tatsächlich so einiges gesammelt hat.

TAG 16 – 25.07.2008 – Braunschweig, Bauwagenplatz
Hannah und Mogli

Die Wegbeschreibung führt uns über Stock, Stein und Feldwege tatsächlich zu einem kleinen Wagenplatz, der aber erstaunlicherweise eben nicht die Wagenburg Hossa ist – auch wenn alles andere gepasst hat...

Nach etwas Suche finden wir dann aber unser Ziel und werden mit Kaffee und Kuchen auf der Wiese begrüßt. Es ist herzallerliebst hier. Leider ist die Zeit zum im-Gras-liegen-und-in-den-Himmel-gucken wie fast immer zu kurz, und wir bauen auf der eigens für uns gebauten Wagenbühne auf. Koerk nutzt die Gunst der schönen Umgebung und interviewt uns zwischendurch einzeln, um noch mehr Hintergrundmaterial für seinen Film zu sammeln.

Etwas später sammeln sich auch mehr und mehr Menschen auf der Wiese, und wir spielen auf der mit Fackeln beleuchteten Bühne – allerdings müssen wir dabei ganz entgegen der Namensgebung das Springen fast gänzlich vermeiden, da die Bühne direkt mitspringt und so Saxophon und Co. extrem ins schwanken geraten (das Saxophon kippt während des Konzertes dann trotz aller Vorsicht dennoch um, bleibt aber unverletzt). Also ist oben auf der Bühne eher Revolte Stehen und auf der Wiese davor für die, die mögen, Hüpfundspring-Platz.

Ziemlich direkt nach dem Konzert isses leider vorbei mit gutem Wetter und alle Draußenschlafpläne fallen nach kurzer Zeit ziemlich kräftig ins Wasser.

Im strömenden Regen packen wir das Auto ein, und Yok macht den Vorschlag, dass wir doch auch eigentlich jetzt sofort nach Berlin fahren könnten ... Sind ja nur 220km und das eigene Bett ist trocken und warm... und wir sind gerade nass, müde und etwas gestresst von der Zusammenpackhektik... Eingestiegen, losgefahren, und schon auf der Autobahn bekommen wir eine SMS, dass es jetzt wieder trocken auf dem Platz sei und die Party an der Feuertonne weiter geht – schade, aber nach Hause fahren ist auch irgendwie gut. Trotzdem bleibt das Gefühl von "Wie? Jetzt fahren wir wieder nach Berlin und dann ist die Tour fast vorbei??!" in uns hängen... Es tat uns dann auch deutlich leid um Zille, der "Hauptorganisator", der sich ziemlich reingehängt hatte, damit wir uns wohl fühlen...

Hannah erweist sich die nächsten 3 Stunden als hervorragende Wachhaltebeifahrerin, entwickelt sogar regelrechte Ambitionen zur "Quasselstrippe"... Der Fahrer ist erfreut und irritiert zugleich, so kennt er sie eigentlich gar nicht. Aber Mama und Papa (so werden Yok und Hannah liebevoll von den anderen Gruppenmitgliedern genannt) schaukeln die Kindchen auf diese Weise wohlbehalten zurück in die vertraute 3,5 Mio-Metropole. Morgens um 3h sind wir da.

TAG 17 – 26.07.2008 Berlin, Wagenburg Laster und Hänger

Nach einer Nacht in den eigenen Betten treffen wir uns schon mittags wieder zu Kaffee und Blitzlicht.

Nachmittags geht's dann zu Laster und Hänger – völlig ungewohnt, mit dem Fahrrad zum Auftritt zu radeln, statt ein paar Stunden im Bus zu sitzen.

Obwohl oder gerade weil so viele Bekannte und Freund_innen kommen, sind wir ein bisschen nervös und freuen uns aber, dass es nicht so supervoll wird. Klar ist's immer schön, wenn viele Leute da sind – aber größtenteils unverstärkt hat die Lautstärke unserer Stimmen und Instrumente halt ihre Grenze...

Der Auftritt wird trotz Generatoraussetzern (Monsta kämpft tapfer gegen die Tücken der Technik!) sehr schön, und viele von uns geben nochmal ne ganze Menge, um die Zuschauenden mitzunehmen.

Phil und Jörg, die die Regie von "Klein statt Leben" gemeistert haben, sitzen in der dritten Reihe und wirken manchmal wie die zwei Alten aus der Muppet Show – doch am Ende sind auch ihre kritischen Augen und Ohren zufrieden, und sie freuen sich über Neues und Altbekanntes neu verpackt.

TAG 18 – 27.07.2008 – Berlin, Tourende im Görli

Und schon ist er da, der wirklich allerletzte Tourtag.

Wir treffen uns wieder mittags und bereden allerlei Orgakram: Wie war die Tour? Was gibt's für Ausblicke auf kommende Streiche? An welche Gruppen oder Organisationen verteilen wir das überschüssige Geld? Wie kommt all unser Zeug wieder dahin, wo es hin soll? ...

Beisammensitzen nach dem Auftritt im Görli

Die Sonne scheint alles nachholen zu wollen, was sie in den letzten Wochen versäumt hat: Es ist heiß und vom wolkenlosen Himmel knallt uns die Sonne aufs Hirn. Das heißt, dass wir (leider oder zum Glück) nicht auf das angekündigte "10 Minuten Scheißwetterprogramm" zurückgreifen müssen, was irgendwas mit acapella und Badeanzügen zu tun gehabt hätte... naja... vielleicht wann anders...

Stattdessen bekommen wir – kaum im Görli angekommen und noch nichtmal ein Instrument ausgepackt – Besuch von zwei Bullen, die uns quasi vorsorglich mitteilen wollen, dass es auf keinen Fall ein Konzert im Park geben wird. Es hätte Hinweise auf ein Konzert im internet gegeben, und ganz nach guter Bulle- / böser Bulle-Manier diskutiert der eine und schimpft der andere – schließlich bekommen sie die Personalien von einer Person ("Wer ist denn hier der Verantwortliche?") und kündigen an, sobald es Beschwerden von Anwohner_innen gebe, sofort wieder zu kommen – "aber dann nicht nur zu zweit!". Im Gegenzug wird ihnen mitgeteilt, dass dieses Konzert hier aber auf jeden Fall ohne wenn und aber stattfinden wird, und dass sie dann verdammt noch mal auch mit einer Hundertschaft anrücken sollen, um dieses subversive Treiben zu unterbinden. Sie verschwinden, und 10 Minuten später tauchen drei Zivilbullen in "WichtigWichtig-Manier" auf. Zwischen Einsingen und Auftritt beschließt Revolte Springen, sich echt nicht beeindrucken zu lassen, wenn die Uniformierten wieder kommen... aber sie kommen nicht wieder... auch gut.

... Berlin hat uns wieder! Zum Teil genervt, zum Teil belustigt, zum Teil sauer, geht's wieder los mit unseren 21 Liedern. Die Wiese vor uns füllt sich, und die Menschen, die im Schatten auf den Beginn des Konzerts gewartet haben, kommen auch in die Sonne. Auch heute sind wieder viele Freund_innen und Mitrevoltis da.

Ein letztes Mal starten wir mit der "Schnellstraße zur Hölle" und schaffen es mit viel Wasser und nicht so viel Action, den Auftritt richtig schön rund zu machen. Am Ende sind wir platt und verschwitzt, aber sehr zufrieden.

Mogli und Yörg

Der Abend klingt gemütlich im Park und später in einem Biergarten aus – wir sitzen zusammen und schwanken zwischen "schade" und "endlich", denken zurück an Schönes und Schwieriges, Lustiges und Anstrengendes, und an soviele Leute, die wir getroffen haben. Daran, dass sich die Proben gelohnt haben, und dass wir trotz Stress, Regen und Anstrengung eine wirklich gute Zeit miteinander hatten.

Und hinter uns liegen 18 Tage Sommerabenteuer und Roadtrip auf der Schnellstraße zur Hölle...

Wir bedanken uns mal wieder bei allen, die uns veranstaltet, supportet und applaudiert haben.

"On the road again
Just can't wait to get on the road again
The life I love is makin' music with my friends
And I can't wait to get on the road again
On the road again
Goin' places that I've never been
Seein' things that I may never see again,
And I can't wait to get on the road again"